Juden baten Bischof von Galen nicht gegen ihre Verfolgung zu predigen

02Aug09
Bischof Clemens August Graf von Galen (1878-1946)

Bischof Clemens August Graf von Galen (1878-1946)

Auf shoa.de gibt es eine Übersicht zu Personen des Widerstandes gegen das „dritte Reich“ aus Sicht von Yad Vashem. Hier ein wichtiger Ausschnitt:

In seiner Osterbotschaft 1934 hatte Galen den nationalsozialistischen Rassenkult verurteilt, und von da ab rechnete er mit seiner Verhaftung, bleib aber immer bereit, „den Märtyrern gleich Nachstellungen und Verfolgungen zu ertragen“. 1938 waren er und der Berliner Bischof Konrad von Preysing (1880-1950, Bild) bereit, für die bedrängten Juden einzutreten. Preysing wendete sich in zwei Briefen an Papst Pius XI., um diesen zur Verurteilung der Judenverfolgung zu bewegen. Galen plante sogar, dagegen von der Kanzel zu predigen, ließ von diesem Plan auf Bitten der lokalen jüdischen Gemeinde aber ab, da sich unter Umständen die Lage der Juden erst recht verschlechtert hätte. So blieb der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg (1875-1943), dem Preysing die Fürsorge für getaufte Juden anvertraut hatte, der einzige katholische Geistliche in Deutschland, der am 9. November 1938 („Reichskristallnacht“) öffentlich für die Juden eintrat. 1941 wurde Lichtenberg denunziert, 1942 zu zwei Jahren Haft verurteilt, im November 1943 starb er auf dem Transport ins KZ Dachau.

Das bedeutet offenbar, daß mutige Katholiken von Juden richtiggehend zurückgepfiffen wurden. Aus Angst freilich, aber bei der Diskussion um Papst Pius XII. heißt es ja immer, daß er nicht konsequent genug gegen die Judenverfolgung angegangen sei. Wenn sich das, was hier zu von Galen steht, verallgemeinern läßt, dann wäre ein Großteil der Kritik an Pius XII. wohl gegenstandslos.

Heute wettert Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden in Deutschland gegen die mutigen Katholiken der Priesterbruderschaft St. Pius X., weil sie angeblich einen „NS-Vergleich“ gemacht haben sollen. Das haben sie natürlich nicht. Herr Kramer hat nur den Text nicht richtig gelesen.

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9 Responses to “Juden baten Bischof von Galen nicht gegen ihre Verfolgung zu predigen”

  1. 1 Aldolphus

    „Wenn sich das, was hier zu von Galen steht, verallgemeinern läßt, dann wäre ein Großteil der Kritik an Pius XII. wohl gegenstandslos.“

    Warum sollte sich da irgendetwas verallgemeinern lassen? Und warum wäre deswegen die Kritik an Pius XII. dann gegenstandslos?
    Zu Galen, Pius und Konsorten steht alles, was man wissen muss bei Karlheinz Deschner.

    „richtiggehend zurückgepfiffen“

    Unpassender kann man sich kaum ausdrücken.

    • Warum sollte sich da irgendetwas verallgemeinern lassen? Und warum wäre deswegen die Kritik an Pius XII. dann gegenstandslos?

      Gemäß dieser Seite, die ich da zitiert habe, war Bischof von Galen der Entschlossenste innerhalb des höheren Klerus und somit auch derjenige, der sich am intensivsten mit allen Facetten des Dilemmas auseinandergesetzt hatte. So wie heute Papst Benedikt XVI. auf Information und Beratung durch Bischöfe und Kardinäle zur Entscheidungsfindung bei schwierigen Fragen angewiesen ist, war es freilich auch Papst Pius XII. damals. Deshalb wäre es doch recht verwunderlich, wenn die Erfahrungen Bischof von Galens bei dem, wie Papst Pius XII. sich verhielt, gar keine Rolle gespielt hätten.

      Zu Galen, Pius und Konsorten steht alles, was man wissen muss bei Karlheinz Deschner.

      Karlheinz Deschner hat etwas geschrieben, mit dem er antiklerikale Bedürfnisse befriedigen wollte. Das geht schon aus dem Titel „Kriminalgeschichte des Christentums“ hervor, mit dem er ja sehr deutlich auf den Unterhaltungscharakter seiner Bücher hinweist. Mit einer sorgsamen Abwägung von Für und Wider hätte er die Erwartungshaltung seiner Leser enttäuscht. Deschners Ziel war also nicht die Wahrheitsfindung, sondern der Broterwerb. Das ist allemal legitim, aber wer sich von einem Krimiautor echte Erkenntnisse erhofft, den darf man wohl als naiv bezeichnen.

      Unpassender kann man sich kaum ausdrücken.

      Was wäre denn eine geeignetere Formulierung?

  2. 3 Aldolphus

    Es ist nicht meine Aufgabe passende Formulierungen für Ihre Texte zu finden. Aber eine Bitte deren Ursprung in reinem Überlebenswillen zu finden ist, mit einem Begriff wie „zurückpfeifen“ – der etwas Herrisches impliziert, zu dem Juden in dieser Zeit sicherlich nicht „aufgelegt“ waren – zu beschreiben, ist, gelinde gesagt, unpassend und gleichzeitig bezeichnend.

    Wenn allerdings die Erfahrungen Bischof von Galens bei dem, wie Papst Pius XII. sich verhielt, eine Rolle gespielt haben, gibt es keinen Grund einen Bischof von Galen zu würdigen.

    Deschners Bücher sind in ihrem Umfang, ihrer Quellentreue und ihrer, ja, ihrer Abwägung von Für und Wider so ziemlich das sorgsamste was es zu diesem Thema gibt. Das zeigt sich auch daran das ihm bis heute keine falschen Fakten nachzuweisen sind. Soviel zur Warheitsfindung. Dass das alles hier als Unterhaltung und Deschner als Krimiautor bezeichnet wird, ist nicht sehr verwunderlich.

  3. Es ist nicht meine Aufgabe passende Formulierungen für Ihre Texte zu finden. Aber eine Bitte deren Ursprung in reinem Überlebenswillen zu finden ist, mit einem Begriff wie „zurückpfeifen” – der etwas Herrisches impliziert, zu dem Juden in dieser Zeit sicherlich nicht „aufgelegt” waren – zu beschreiben, ist, gelinde gesagt, unpassend und gleichzeitig bezeichnend.

    Wenn Sie einfach nur motzen wollen, ohne selbst etwas beizutragen, dann spricht das nicht gerade für Sie. Wissen Sie, ich gebe Ihnen ja recht, daß man in dem Begriff etwas Herrisches erkennen kann. Wenn aber Sie Angst um Ihr Leben hätten, weil ein öffentliches Wort von meiner Seite Sie in akute Gefahr bringen könnte, dann würden Sie auch herrisch mit mir reden. Von daher weiß ich nach wie vor keinen besseren Begriff.

    Wenn allerdings die Erfahrungen Bischof von Galens bei dem, wie Papst Pius XII. sich verhielt, eine Rolle gespielt haben, gibt es keinen Grund einen Bischof von Galen zu würdigen.

    Meinen Sie? Dann schreiben Sie doch an Yad Vashem, daß Bischof von Galen aus der Liste der „Righteous Among the Nations“ gestrichen werden soll. Darin werden „non-Jews who risked their lives to safe Jews during the Holocaust“ aufgeführt.

    Deschners Bücher sind in ihrem Umfang, ihrer Quellentreue und ihrer, ja, ihrer Abwägung von Für und Wider so ziemlich das sorgsamste was es zu diesem Thema gibt. Das zeigt sich auch daran das ihm bis heute keine falschen Fakten nachzuweisen sind. Soviel zur Warheitsfindung. Dass das alles hier als Unterhaltung und Deschner als Krimiautor bezeichnet wird, ist nicht sehr verwunderlich.

    Richtige Fakten anzuhäufen ist keine Leistung. Fleißig mag Deschner ja gewesen sein, aber daß der enzyklopädistische Ansatz keine Erkenntnisse im Sinne einer Suche nach der Wahrheit bringen kann, ist doch klar.

  4. 5 Aldolphus

    Muss ich Ihnen wirklich sagen dass Juden zu dieser Zeit überhaupt nicht in der Lage waren, herrisch aufzutreten?
    Und lesen Sie doch Deschners Bücher, dann wissen Sie auch dass diese weit über einen enzyklopädistischen Ansatz hinausgehen. Und Deschners Werk mal eben so auf einem Internetblog als „keine Leistung“ zu bezeichnen ist einfach nur vermessen.

  5. Muss ich Ihnen wirklich sagen dass Juden zu dieser Zeit überhaupt nicht in der Lage waren, herrisch aufzutreten?

    Wieso sollte es mich interessieren, was Sie „müssen“? „Herrisch“ stammt nicht von mir, sondern von Ihnen. Es grenzt daher schon an Heimtücke, daß Sie diesen Begriff erst ins Spiel bringen, um ihn mir dann im Ton eines KZ-Wächters vorzuhalten. Entscheidend ist, daß Sie hier keinen ordentlichen Alternativvorschlag für „richtiggehend zurückgepfiffen“ nennen konnten und dem insofern also zustimmen.

    Und lesen Sie doch Deschners Bücher, dann wissen Sie auch dass diese weit über einen enzyklopädistischen Ansatz hinausgehen. Und Deschners Werk mal eben so auf einem Internetblog als „keine Leistung” zu bezeichnen ist einfach nur vermessen.

    Jetzt seien Sie mal nicht beleidigt. Daß Deschner nicht fleißig gewesen wäre habe ich ja nicht gesagt. Außerdem hindert Sie ja niemand daran, das, was in Deschners „Kriminalgeschichten“ zur Korrespondenz Bischof von Galens mit dem Klerus in Rom zu finden sein mag, in kurzen Worten zusammenzufassen. Wäre Ihnen das nicht möglich, würde ich das als Hinweis lesen, daß Deschner sich gar nicht damit befaßt hat.

  6. Hier übrigens noch ein Ausschnitt aus einer Renzesion des Buches „Warum der Papst schwieg. Pius XII. und der Holocaust“ von Klaus Kühlwein.

    Was Kühlwein hier betreibt, hat Methode. Die historische Forschung ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass von den Unterstellungen Hochhuths, Goldhagens und Cornwells wenig übrig geblieben ist. Das muss auch Kühlwein anerkennen. Doch man merkt seinem Text an, dass sich die Fakten nicht so recht zu seiner These fügen wollen, dass er am liebsten ein anderes Buch geschrieben hätte. Deshalb wirkt sein Text wie das widerwillige Zugeständnis, dass man Pius XII. in der Vergangenheit Unrecht getan habe. Man bekommt den Eindruck, dass Kühlwein nicht wahrhaben will, dass Pius XII. eben nicht „geschwiegen“ hat. Und so oszilliert das Buch zwischen demagogischer Montage und anbiederndem Wohlwollen, bei dem der Autor nicht nur zu peinlich schwülstigen Formulierungen greift („Der Schrei dieser Frevel hallte nicht nur im Himmel wieder, er drang auch an Pius’ Ohr.“), sondern auch vor einem gnadenlos kitschigen Schluss nicht zurückschreckt: Er zitiert Psalm 130 auf Latein und schickt ein „Eugenio Pacelli – Requiescat in pace“ hinterher.

    Das zeigt, daß Deschner nicht der einzige Lohnschreiber ist, der unter Mißachtung des aktuellen Forschungsstandes fragwürdige Bücher produziert.

    http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=13381

  7. 8 Aldolphus

    „Es grenzt daher schon an Heimtücke, daß Sie diesen Begriff erst ins Spiel bringen, um ihn mir dann im Ton eines KZ-Wächters vorzuhalten. Entscheidend ist, daß Sie hier keinen ordentlichen Alternativvorschlag für „richtiggehend zurückgepfiffen“ nennen konnten und dem insofern also zustimmen.“

    Mein Güte, Sie haben ja nicht mehr alle Tassen im Schrank…

    Servus


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