Wer mit Gewaltrappern Deutschland in den Schmutz singt, braucht nicht nicht über fehlende Zivilcourage klagen

16Sep09

Wie immer in solchen Fällen, ist die öffentliche Debatte über den S-Bahnmord in München von Themen geprägt wie

  • Höchststrafe für Jugendliche,
  • Kameras in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Polizeipräsenz
  • usw. usf.

Die Stimmung in dieser Debatte ist geprägt von Versuchen politische Kapital daraus zu schlagen, indem man den Mord dafür benutzt, um diese oder jene Standard-Argumentation zu untermauern.

Was praktisch gar nicht thematisiert wird, ist die Frage, ob diejenigen, die nur zugeschaut haben, nicht auch bestraft werden könnten bzw. sollten.

Das wäre das Naheliegendste von allem, weil die menschliche Tragödie ja darin liegt, daß ein Mann vor den Augen vieler anderer Menschen erschlagen wurde!

Das Gerede über „Zivilcourage“ scheint dennoch geheuchelt. Grund ist, daß dieser Begriff im „Kampf gegen Rechts“ schon derart inflationär verwendet wird, daß er nurmehr eine Phrase ist. Außerdem schwingt bei „Zivilcourage“ immer eine gewisse Freiwilligkeit mit. Jemandem zu helfen, der in Not ist, ist aber ja eben nicht freiwillig, sondern Pflicht!

Ein Lichtblick ist daher die Stellungnahme von Rupert Scholz (CDU) darauf hingewiesen hat, daß man sich ja tatsächlich strafbar macht, wenn man nicht hilft:

Scholz sagte der „Bild“-Zeitung , es sei an der Zeit, einmal auf Paragraf 323c des Strafgesetzbuches hinzuweisen: „Wer bei gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten ist, kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden.“ Scholz fordere die Staatsanwaltschaft München auf, zu prüfen, ob Zeugen bei der Tat an einem Münchner S-Bahnhof wegen unterlassener Hilfeleistung zur Verantwortung gezogen werden können.

Das 50-jährige Opfer hatte am Samstagnachmittag eine Gruppe Kinder vor Bedrohungen Jugendlicher schützen wollen und bereits die Polizei alarmiert. Dennoch attackierten ihn die beiden 17 und 18 Jahre alten mutmaßlichen Mörder und prügelten den Mann am S-Bahnhof München-Solln zu Tode. Am Bahnsteig waren laut Polizei rund 15 Passanten, die nun als Zeugen vernommen werden sollen. Die bedrohten Kinder hätten versucht, die Schläger abzuhalten. Das sei ihnen aber nicht gelungen.

Mehr als ein Lichtblick ist es leider nicht.

Worum es eigentlich geht, ist daß der Bürger vielfach ja gar nicht mehr wissen kann, ob Jugendliche „aus Spaß“ schlägern oder ob es ernst ist, was die Schwelle zum Eingreifen dann eben auch in kritischen Fällen erhöht, weil man derartige Gewalt ja jeden Tag sieht. Ein Außenstehender kann kaum bewerten, ob es wirklich Spaß ist d.h. ob beide aus freien Stücken ihre Machtspiele machen oder ob einer der beiden sich zwar jämmerlich fühlt und allemal auch gerne Hilfe hätte, das aber nicht zugibt, weil er dann ja als der Schwächere dasteht.

Von daher ist es auch denkbar, daß der Schwächere die Hilfe ablehnen würde und sich mit seinem Peiniger dem Anschein nach verbündet, weil er sonst ja zugeben müßte, daß er das „Opfer“ ist.

Die Frage, die die Politik eigentlich diskutieren müßte, ist, ob Gewalt als weithin akzeptierte Jugendkultur nicht eigentlich StGB § 323c außer Kraft setzt, weil „Not“ tendenziell ja gar nicht mehr erkennbar ist!

So gesehen braucht man sich nicht wundern, daß derartiges auf unseren Straßen geschieht, wenn unser Außenminister zu Werbe-Zwecken in Sachen Integration mit Gewalt-Rappern wie Muhabbet gemeinsam Deutschland in den Schmutz „singt“. Indem er das gemacht hat, hat er Texten, in denen Gewalt verherrlicht wird, das kulturelle Gütesiegel verpaßt. Insofern ist Steinmeier mitverantwortlich dafür, daß Bürger nicht mehr zwischen Gewalt und Kultur unterscheiden können und selbst dann nicht mehr eingreifen, wenn gerade ein Mensch erschlagen wird.

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6 Responses to “Wer mit Gewaltrappern Deutschland in den Schmutz singt, braucht nicht nicht über fehlende Zivilcourage klagen”

  1. Kann dem Autor nur voll zustimmen. Wenn ein Politiker wie Steinmeier sich auf eine derart dumme Art und Weise versucht Stimmen von jungen Wählern zu angeln, ohne dabei zu bedenken, was er hierbei für ein Zeichen setzt, kann dies nur als absolut unverantwortlich bezeichnet werden.
    Allerdings gibt es keine Entschuldigung für die Gaffer des Mordes in München, weshalb hier dringend ein Zeichen zu setzen ist und eine entsprechende Strafe wegen unterlassener Hilfeleistung ausgesprochen werden sollte. Alles andere wäre eine reine Ermutigung bei zukünftigen Vorfällen lieber sensationsgeil zuzuschauen, als wirklich einzuschreiten.

    • Allerdings gibt es keine Entschuldigung für die Gaffer des Mordes in München, weshalb hier dringend ein Zeichen zu setzen ist und eine entsprechende Strafe wegen unterlassener Hilfeleistung ausgesprochen werden sollte. Alles andere wäre eine reine Ermutigung bei zukünftigen Vorfällen lieber sensationsgeil zuzuschauen, als wirklich einzuschreiten.

      Vollkommen richtig. Deshalb verstehe ich auch nicht, daß nicht mal ermittelt wird, ob sich Zuschauer wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar gemacht haben:

      http://www.focus.de/panorama/vermischtes/s-bahn-attacke-keine-ermittlungen-wegen-unterlassener-hilfeleistung_aid_436253.html

      Eine Ermittlung ist schließlich etwas anderes, als eine Verurteilung.

      Meines Erachtens wäre es richtig, wenn diejenigen, die das gesehen haben und nichts getan haben, obwohl sie es gekonnt hätten, alle wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt werden. Das Strafmaß könnte dabei ja meinetwegen winzig sein, aber es ist enorm wichtig, daß die Pflicht zur Hilfeleistung auch in Begriffen des Strafrechts diskutiert wird!

      Geschieht das nicht, wird es zu einer Angelegenheit von „Experten“ wie man sich in solchen Fällen verhalten soll. Die spielen sich dann als Volkspädagogen auf, obwohl sie es ja gerade sind, die mit ihrem Expertentum die Unsicherheit in der Bevölkerung vergrößern. Sozialpädagogen, Mediatoren, Antigewalttrainer leben ja nachgerade davon, daß die Menschen sich selbst kein Urteil mehr zutrauen.

  2. 3 WowarstDualsichDichbrauchte

    Was immer noch aussteht sind die Namen und Gesichter der Mörder!
    Warum erfährt man nichts?

    • Nicht so schnell. Die Politiker müssen das Thema jetzt erst mal ordentlich ausschlachten.

      Der Ruf geht nach einer „Prävention schon im Kindesalter“:

      http://www.bild.de/BILD/regional/muenchen/dpa/2009/09/17/nach-sbahnmord-ruf-nach-mehr-praevention.html

      Oh, Du unser allmächtiger Rundum-Versorgungsstaat, wir beten Dich an!

      Auch Bayerns FDP-Chefin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger sagte, Prävention sei «wirklich das Allerwichtigste». Die Gesellschaft müsse mehr in den Blick bekommen, «wenn Familienhäuser, wenn Elternteile total versagen», sagte die Ex- Bundesjustizministerin im WDR-5-Morgenmagazin.

      Wenn hier schon von der „Gesellschaft“ die Rede ist, dann wird das garantiert ein Schuß ins Knie.

  3. 5 janiine

    Wo ist denn bitte Muhabbet ein „Gewaltrapper“ da gibt es schlimmere siehe Sido oder so. Und für Steinmeier ist wohl eher mal daran zu denken das Cover Lied von Frauenarzt aus dem Netz zu ziehen, in dem wohl mehr Gewalt Wörter drin sind als in allen Muhabbet Liedern die ich kenne zusammen….

    • Ja, natürlich.

      Muhabbet singt ja nur friedliebende Lieder und ist eigentlich eher sowas wie Peter, Paul und Mary des Rap.


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