Wirtschaftskrise als Chance für Deutschland

18Sep09

Eine Woche vor den Bundestagswahlen mehren sich die Nachrichten, die suggerieren wollen, daß die Wirtschaftskrise infolge des Zusammenbruchs der Finanzmärkte ja schon fast überwunden sei. So schreibt heute etwa die Markenpost „die Deutschen“ blickten „wieder etwas optimistischer in die Zukunft als noch vor wenigen Monaten“ und bezieht sich dabei auf eine Studie des Marktforschungsinstitutes GfK. Nach den Gerüchten über Abmachungen zwischen Wirtschaftsverbänden und der Regierung, daß die Unternehmen ihre Entlassungen doch bitte auf nach den Wahlen verschieben sollten, darf man skeptisch sein, ob es diesen Optimismus wirklich gibt.

Während man bei linken und sozialistischen Parteien die Hoffnung hegt, daß nun endlich die Zeit gekommen sei, dem „neoliberalen Monster“ den Garaus zu machen und sich schon ausmalt, wie man es sich in den Sesseln der Macht gemütlich machen wird, ist man bei der Union bemüht, die eigene Ratlosigkeit mit „Weiter so“-Parolen und globalen Visionen zu überspielen.

Inhaltlich überzeugen können beide Lager nicht.

Mag die Verwendung von Steuergeldern zur Stützung der Finanzwirtschaft auch alternativlos sein, so liegt darin doch ein schwerer Bruch mit den Grundannahmen des Liberalismus. Die aus den Besatzungszonen der westlichen Alliierten hervorgegange Bundesrepublik stellt sich damit selbst in Frage und rückt somit auch vom Westen ab.

Wenn nun jedoch wieder mehr sozialistische Elemente in die Wirtschaftspolitik einfließen, so bedeutet das keineswegs, daß eine Renaissance des Sozialismus käme, der ja erst zwanzig Jahre zuvor sein Wateroo erlebt hatte. Was uns bevorsteht, ist eine lang anhaltende Hängeparitie zwischen einem Liberalismus, der sich mit dem Rückgriff auf internationale Begründungszusammenhänge dem klasssichen Sozialismus angleicht und einem Sozialismus, der kulturpolitisch immer heftiger im Revier des Liberalismus wildert.

Als heimatlos bleiben die zurück, die schon jetzt wissen, daß auf den Schlachtfeldern dieses Ringens keine blühenden Landschaften entstehen können.

Hat die Geschichte nicht bewiesen, daß Wirtschaftskrisen inhärenter Bestandteil marktwirtschaftlicher Systeme sind und daß das planwirtschaftliche Gegenmodell mit seiner Bevormundung unausweichlich zum Gefängnis des frei geborenen Menschen wird?

Wie also soll man glauben, daß das Amalgam aus diesen beiden Weltanschauungen ausgerechnet die jeweils positiven Aspekte enthalten wird?

Angesichts des gigantischen Zieles einer „gerechten Weltwirtschaftsordnung“ – dahinter verbergen sich Verheißungen wie weltweiter Frieden, das Abwenden der Klimakatastrophe, Ausrottung des weltweiten Hungers uvam. – ist es weitaus wahrscheinlicher, daß die positiven Aspekte beider Ansätze verloren gehen werden und die Menschheit auf regelmäßige Wirtschaftskrisen in ihrer globalen Nervenheilanstalt zusteuert.

Statt an dieser mitzubauen wäre es daher klüger zu akzeptieren, daß das Auf und Ab in der Wirtschaft ebenso natürlich ist, wie der Wechsel der Jahreszeiten. Nach Wegen diesem Zyklus zu entkommen sucht nur, wer des Winters Schönheit nie erfahren hat. Deutschland wäre also zu empfehlen, die Welt während der Wirtschaftskrise einfach mal Welt sein zu lassen und ein Sabbatjahr einzulegen, um seinen Geist zu regenerieren.

Der Erfüllung seiner Wünsche und Sehnsüchte wird es damit sicher näherkommen, als mit Debatten zu Steuergerechtigkeit im globalen Kontext.

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