Akademisches aus Regensburg

14Okt09

Außerhalb Bayerns glauben Viele, „im schwarzen Bayern“ sei die Welt noch in Ordnung. Weit gefehlt! Wo noch vor zwanzig, dreißig Jahren, die Kirche den Ton angab, haben heute die vielzitierten „68er“ die Fäden in der Hand. Man gibt sich freilich Mühe den Schein zu wahren, damit irgendwie alles so aussieht, wie Touristen aus aller Herren Länder es eben erwarten, wenn sie ihr mühsam erarbeitetes Geld in den Freistaat bringen. Wenn aber die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr bei ihrem Umzug statt des gewohnten Gott mit dir du Land der Bayern die Internationale spielt, dann fängt man eben doch an zu Rätseln, ob sich hinter der selbstironisch gemeinten Einordnung der CSU als Herz-Jesu-Marxisten nicht vielleicht eine tiefere Wahrheit verbirgt. Nun könnte man den Christsozialen zwar nicht nachsagen, daß sie den kulturpolitischen Durchmarsch der braun-, rot- und grünlackierten Nazis bejubeln würden, aber ein Rezept dagegen haben sie bislang jedenfalls nicht gefunden.

Wie ratlos Bayern tatsächlich ist, kann man ermessen, wenn man die Ereignisse vom 3. Oktober in Regensburg Revue passieren läßt. Ein offenbar von der NPD angeführtes Bündnis demonstrierte dort gegen den Bau der von Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) unterstützten Großmoschee. Trotzdem dieser aber die Anfragen seiner besorgten Bürger alle unbeantwortet lies und auch den Dialog mit der Bürgerbewegung Pax Europa verweigerte, kamen gerade mal 110 Teilnehmer zu dieser Demonstration, die am Denkmal Juan d’Austrias in der Regensburger Altstadt begann. D’Austira hatte die Flotte der Heiligen Liga am 7. Oktober 1571 in der Seeschlacht von Lepanto angeführt und dabei einen großen Sieg errungen, der als Wendepunkt in die Geschichte des Abwehrkampfes der christlichen Völker Europas gegen die Osmanen einging.

Juan dAustria

Denkmal zu Ehren des Siegers von Lepanto in der Regensburger Altstadt

Umso größer war dann allerdings die Gegendemonstration, zu der die Regensburger „Antifa“ gegen „Rassismus, Nationalismus und Islamismus“ aufgerufen hatte. Nicht weniger als 7.000 Teilnehmer folgten dem Aufruf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Drei leicht verletzte Polizeibeamte, einige beschädigte Polizeifahrzeuge, ein ausgebrannter Papiercontainer in der Obermünsterstraße der gelöscht werden konnte sowie herausgerissene Pflastersteine, eine Vielzahl zerbrochener Flaschen und 17 vorläufig Festgenommene sind die aktuelle Bilanz.

So der Polizeibericht. Oder: „Nazis mit Feuer, Flaschen und Steinen empfangen Erfolgreiche Blockaden verhindern über 2/3 der Strecke. Sieg durch Spielabbruch“, wie im Twitter-Feed der Regensburger Linksfaschisten zu lesen war.

Doch kehren wir zurück in das Regensburg, in dem Papst Benedikt XVI. im September 2006 seine berühmt gewordene Rede gehalten hatte. Dieses Regensburg ist auch das Regensburg des Protestantismus, der seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 in der ehemaligen Reichsstadt neben dem Katholizismus friedlich existierten konnte. Ausgebrannte Papiercontainer, Pflastersteine oder Flaschen zählen in diesem Regensburg nichts. Was hier zählt, sind Argumente, die im akademischen Diskurs bestehen können.

In der Vorstellung, daß dieses Regensburg noch irgendwo zu finden sein könnte, besuchte ich gestern die Veranstaltung Menschenrechtsbildung in der Einwanderungsgesellschaft – Menschenrechte als Antwort auf historisches und aktuelles Unrecht im Evangelischen Bildungswerk Regensburg, für die der VVN-BdA als Mitveranstalter eigens Dr. Hasko Zimmer aus Münster hatte „einfliegen“ lassen. Seine Arbeitsschwerpunkte:

Historische Bildungsforschung, Pädagogik und Nationalsozialismus, Geschichtspolitik und Erinnerungsarbeit, Menschenrechtsbildung. Mitglied der GEW.

Distanz von Münster aus: knapp 600 km oder stolze 5 1/2 Stunden per PKW.

Solche Vorträge sollte man sich nicht entgehen lassen!

Zu Beginn der Veranstaltung erhoffte ich mir eine Antwort auf die Frage, weshalb die Kirche in der ich Mitglied bin, Veranstaltungen mit staatlich anerkannten Verfassungsfeinden organsisiert:

Die VVN-BdA versteht unter Antifaschismus nicht nur den Kampf gegen Rechtsextremismus; sie agiert auch gegen den demokratischen Staat und dessen Institutionen, denen unterstellt wird, rechtsextremistische Bestrebungen zu schützen und zu fördern. Daneben versucht die VVN-BdA unter dem Vorwand „Kampf gegen Rechtsextremismus“, Einfluss auf bürgerliche Kräfte zu nehmen und letztendlich Demokraten für ihre antidemokratischen Ziele zu vereinnahmen.

Sofort war eine äußerst mißtrauisch dreinschauende Frau zur Stelle, die sich zu Ihrer Mitgliedschaft bei der VVN-BdA bekannte. Ihre Antwort lief darauf hinaus, daß man dem Staat ja sowieso nicht trauen könne und daher auch die Verfassungsschutzberichte keinen Wert hätten.

Nach einem kurzen Willkommensgruß an Dr. Zimmer setzte ich mich dann an einen Platz und erwartete zusammen mit ca. 15 anderen Teilnehmern – die meisten waren wohl Pädagogen mit gewerkschaftlichem Hintergrund – gespannt das Referat unseres Doktors aus Münster.

Den nun inhaltlich wiederzugeben ist aber nicht ganz einfach. Eine echte Linie war in seinem Konglomerat sakralisierter Worthülsen in Thesenform kaum irgendwo auszumachen. Sicher war sich Dr. Zimmer allein darin, daß sich in die Charta der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein „Menschenrecht auf Menschenrechtsbildung“ hineinlesen lassen müßte.

Nicht beantworten konnte er meine Frage, weshalb man sich nicht einfach erst mal auf die ja wunderbar diskriminierungsfreien Normen des Strafgesetzbuches besinnt, die angesichts der von „Jugendlichen“ ausgehenden Gewalt auf unseren Straßen, S- und U-Bahnhöfen doch hochaktuell sind. Statt einer Antwort kam wiederum eine ganzer Sturzbach willkürlich aneinandergereihter sakralisierter Gesichtspunkte, die es zu beachten gelte. Nachdem mir eine prüfende Rückfrage verwehrt wurde und die griesgrämige Frau vom VVN-BdA schon zu keifen anfing, gab ich erst mal Ruhe und hörte mir den Rest des Vortrages an. Ganz zum Schluß kam Herr Dr. phil. Zimmer dann doch immerhin noch mal in die Nähe meiner Fragestellung, leider aber nur, um einer Antwort im letzten Augenblick noch geschickt auszuweichen.

Daß die von der Bundesrepublik bereits ratifizierten Menschenrechtsabkommen als zwischenstaatliche Verträge vom Rang her weit unterhalb der Normen des Strafgesetzbuches stehen, mußte ich ihm in der Diskussion erst mühsam beibringen: In seinem Denken stehen diese ja immer noch manigfaltigst auslegbaren Abkommen offenbar weit oberhalb der Normen des Strafgesetzbuches. Weiterhin verwendete er wiederholt den Begriff „antifaschistisch“, was darauf hinweist, daß er den falschen, noch auf Joseph Stalin zurückgehenden kommunistischen Faschismusbegriff komplett verinnerlicht hat. Kritik daran beantwortete er mit einem süffisanten Lächeln.

Dr. Hasko Zimmer

Dr. phil. Hasko Zimmer

Soweit die Zusammenfassung von der eigentlichen Veranstaltung.

Am Ende hatte ich dann noch Gelegenheit, mit Herrn Dieter Weber, dem Veranstalter von Seiten des Evangelischen Bildungswerkes, ein paar Sätze zu wechseln. Daß man in einer kirchlichen Bildungseinrichtung auch mal eine Veranstaltung zur einer christlichen Lesart der Menschenrechte machen könnte, mußte er mir zubilligen und er sagte mir sogar zu, daß er sich dafür einsetzen würde.

Martin Niemöller

Martin Niemöller

Uneinig blieben wir uns jedoch bei der Einordnung des VVN-BdA. Um sich zu rechtfertigen gab er an, daß Martin Niemöller eines der Gründungsmitglieder dieser Organisation gewesen sein soll. Das mag sogar stimmten. Wenn aber Niemöller schon 1947 große Differenzen mit Hans Mayer hatte, dann kann man sich an fünf Fingern ausrechnen, daß es bei diesem Streit damals um die Instrumentalisierung dieser Organisation durch die Kommunisten zu Zwecken der Unterwanderung ging.

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3 Responses to “Akademisches aus Regensburg”

  1. Hier noch mein Schreiben an die Landessynode der ELKB:

    https://dialogundmenschenrecht.files.wordpress.com/2009/11/andielandessynode.pdf

    Nachdem das ignoriert wurde, bin ich nun endlich aus dem Verein ausgetreten.

  2. 2 Andreas

    Na ja, Dr. Hasko Zimmer. Bei dem habe ich mal Pädagogik studiert, das Niveau hielt sich meiner Erinnerung nach in Grenzen, statt dessen – wie an den einschlägig bekannten Fachbereichen der Meinungs“wissenschaften“, viel Ideologie.

    • Ich bin mir ziemlich sicher, daß Dr. Hasko Zimmer regelmäßiger VVN/BdA-Referent ist, wenn nicht sogar Mitglied.


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