Zu Volker Kauders Kritik am „türkischen Männerbild“

31Jan10
Volker Kauder

Volker Kauder (CDU, Fraktionschef der Union)

Volker Kauder – derzeit wohl der einzige CDU-Politiker, der erkannt hat, daß Merkels Strategie der asymmetrischen Demobilisierung nicht funktionieren kann – hat sich an ein heißes Eisen gewagt: In einem Focus-Interview kritisiert er „das türkische Männerbild“ und weist auf den Zusammenhang mit Gewaltausbrüchen bei „Migranten“ hin. Der Auslöser dafür dürfte sein, daß eine der Mitarbeiterinnen des Unionsfraktionschefs kürzlich mitten in Berlin von Ausländern ohne Grund brutal zusammengeschlagen wurde.

Daß die Einzelfalltheorie mittlerweile beim besten Willen nicht mehr zu halten ist, belegen zahllose Fälle. Der neueste: die offene Einschüchterung von Zeugen bei einem Prozess gegen eine Gruppe Jugendlicher „überwiegend türkischer Abstammung“ in Geislingen. Anders, als mit einem massiven Polizeiaufgebot wußte der Amtsrichter sich nicht mehr zu helfen.

Migrantengewalt

Gewaltbereite "Jugendliche"

Kauders These ist nun, daß „patriarchalische Rollenmuster“ der Grund für die Gewalttätigkeit seien: „Die Buben in türkischen Familien werden dann oft wie kleine Könige erzogen. Wenn sie in ein Umfeld kommen, in dem sie wie alle anderen behandelt werden, sind sie völlig irritiert“. Kauder zielt hier wohl in die richtige Richtung. Überzeugen kann er aber nicht. Hätte er Recht, würde das bedeuten, daß wir vor dem maßgeblich EU-flankierten Siegeszug der radikalfeministischen Genderideologie ein Land gewesen wären, in dem sich unsere Jugend ebenso verhalten hätte. Trotzdem aber jeder weiß, daß das nicht der Fall war, nährt Kauder diesen Eindruck und wird so zum Stichwortgeber des politischen Gegners und seiner mit staatlichen Mitteln geförderten Thinktanks.

Die eigentlichen Gründe für die gewalttätigen Zusammenrottungen dieser Jugendlichen, denen wir nach Kauders Auffassung signalisieren sollten, daß „sie willkommen sind“, dürften ganz woanders liegen: Sieht man von der bekannten Gewaltverherrlichung im Islam ab, der zusammen der langen kriegerischen Geschichte des osmanischen Reiches einen nicht zu unterschätzenden Teil der türkischen Identität ausmacht, so ist besonders die bundesdeutsche Gegenwartskultur zu nennen, der mit ihrer zum Fetisch gewordenen Selbstanklage schon lange jedes Maß und Ziel abhanden gekommen ist – neueste Innovation ist hierbei die Idee, daß es nicht Russen, Briten und Amerikaner waren, die Deutschland „befreit“ haben, sondern die Dritte Welt!

Schwarzafrikaner bei der Befreiung Deutschlands

Auch Schwarzafrikaner haben bei der Befreiung Deutschlands mitgewirkt

Kauder hat daher diese türkischen Jugendlichen auch nicht verstanden, wenn er ihnen „macht mit!“ zuruft und so den Eindruck erweckt, als hätten sie sich nicht integriert. Sie haben sich integriert! Sie machen doch mit! Jedes Ausspucken, jeder Fußtritt und jeder Messerstich gegen die „Scheißdeutschen“ belegt den Willen, tatkräftig beim großen Projekt der Dekonstruktion Nachkriegsdeutschlands mitzuwirken. Die Form dieser Beiträge ist zwar ein wenig unschön, aber dem Inhalt nach läßt es sich nur schwer kritisieren.

Zug der Erinnerung

Der lange Zug der Erinnerung

Und so wie Kauders Diagnose nun mal nicht stimmt, so wird auch aus seinem Therapievorschlag wohl nichts werden. Er hofft auf „mehr männliche Erziehungskompetenz an den Grundschulen“ und „insgesamt mehr Lehrer mit Migrationshintergrund“. Das wird schwierig werden: Der Großteil der an unseren Schulen und Universitäten ausgebildeten Deutsch-Türken hat nämlich längst verstanden, daß Deutschland in seiner jetzigen Verfaßtheit keine Zukunft hat und sucht daher sein Glück in der Türkei. Unsere Erinneringskultur interessiert die gut Ausgebildeten nämlich genauso wenig, wie unsere ergebnislosen Feuilleton-Debatten über die Vergleichbarkeit der Judenverfolgung im „dritten Reich“.

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One Response to “Zu Volker Kauders Kritik am „türkischen Männerbild“”

  1. 1 Rudi

    Bevor man sich mit Kauders Analyse auseinandersetzt, debattiert man besser mit Oettinger -auf Englisch. Es muß an einem Systemfehler liegen, dass ‚unsere‘ Politiker derart inkompetent sind, und es nicht mal merken. Ich vermute, dass kaum ein fähiger Mensch seine berufliche und finanzielle Zukunft davon abhängig machen will, dass er in 4 Jahren wieder von seiner Partei aufgestellt und gewählt wird. Ein Politiker, der sagt, dass die EU-Erweiterung Mist war und ist, begeht beruflichen Selbstmord. Sowas können sich abgesicherte Existenzen wie Gauweiler oder Sarazzin leisten. Aber sie sind damit Außenseiter ohne Einfluß.


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